Gründungsstory: Der sichere Weg zum Erfolg

Online-Plattform Fokus Hauswirtschaft bereitet auf die Abschlussprüfung als Hauswirtschafter/in vor und nutzt eine Marktlücke

COESFELD. Eine Marktlücke sehen, ein passgenaues Angebot aufbauen und nicht direkt ins volle Risiko gehen: Manchmal kann erfolgreiches Gründen ganz einfach sein. Der Coesfelder René Rettig ist gelernter Hauswirtschafter und hat diese Marktlücke bei all jenen gesehen, die als Quereinsteiger in Krankenhäusern, Kitas, Seniorenheimen und Privathaushalten in der Hauswirtschaft arbeiten. „Viele üben diesen Job seit Jahren aus, sind fachlich gut geeignet, haben aber keinen Abschluss in diesem Beruf, weil sie nach der Elternzeit oder einer beruflichen Neuorientierung in diesen Bereich reingerutscht sind. Damit fehlen ihnen die Möglichkeiten, mehr Gehalt zu erhalten und sich weiterzubilden“, erklärt Rettig.

Flexibles Angebot mit jederzeit möglichem Einstieg

Um sich auf die Prüfung zur Hauswirtschafterin bzw. zum Hauswirtschafter vorzubereiten, gibt es verschiedene Anbieter von Präsenzkursen. „Das ist aber häufig mit dem Alltag der Quereinsteiger nicht vereinbar, weil sie zum Beispiel neben ihrer Arbeit ihre Kinder betreuen oder Angehörige pflegen. Dazu kommen dann noch die Fahrtzeiten und -kosten. Zudem lohnen sich Präsenzkurse erst ab einer bestimmten Teilnehmerzahl“, erklärt Rettig. So werden regelmäßig Präsenzkurse kurz vor dem Start wieder abgesagt. Er suchte nach einer anderen, flexibleren Lösung und baute 2020 mit Unterstützung einer Bekannten den Fernlehrgang Hauswirtschafterin zur Online-Qualifizierung für die Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf Hauswirtschafter/in auf.

300 Stunden umfasst der Kurs. Ein Einstieg ist jederzeit möglich. Wer 5 bis 6 Stunden pro Woche investiert, kann in der Regel nach einem Jahr die Prüfung machen. Drei Jahre haben die Teilnehmenden maximal Zeit – auch um, den Kurs bezahlen. Egal, wann sie die Prüfung machen. Die Online-Qualifizierung umfasst neben den Kursen und dem Kursmaterial auch eine kontinuierliche Begleitung der Teilnehmenden, unter anderem durch Rückmeldungen zu den theoretischen und praktischen Aufgaben. Monatlich kommen derzeit rund 4 bis 5 neue Teilnehmende hinzu – aus ganz Deutschland.

Start des Unternehmens erfolgte im Nebenerwerb

Aufgebaut hat René Rettig „Fokus Hauswirtschaft“, neben seinem Hauptjob als hauswirtschaftlicher Betriebsleiter, zunächst an Wochenenden und Abenden. „Ich wusste ja nicht, wie es laufen würde und wollte nicht direkt meinen Job kündigen, um dann festzustellen, dass es doch nicht klappt.“ Aber es klappte. Als die Nachfrage und damit die Arbeit immer mehr wurde, reduzierte René Rettig zunächst seine Stunden im Hauptjob, kündigte ihn dann 2023 schließlich ganz und führte seine Gründung in Vollzeit.

Das wäre wohl auch heute noch der Fall, wenn nicht 2024 die Stelle der Geschäftsführung beim Berufsverband Hauswirtschaft ausgeschrieben worden wäre. „Ich konnte und kann gut von meiner Selbstständigkeit leben, aber diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen. Denn über den Verband kann ich noch mehr für die Qualifizierung der Beschäftigten und die Aufwertung des Berufs erreichen“, sagt Rettig. Er bekam den Job und führt „Fokus Hauswirtschaft“ seitdem wieder im Nebenerwerb. „Da die Stelle als Geschäftsführer des Verbands im Homeoffice und mit flexibler Zeiteinteilung möglich ist, kann ich mittlerweile beides gut vereinbaren: Ich durfte allerdings lernen, was ich automatisieren und abgeben kann. Das war am Ende sehr positiv.“

Weitere Prüfungsvorbereitungen geplant

Eine Hauswirtschaftsmeisterin betreut die Teilnehmenden inzwischen fest im Team. Eine Freelancerin kümmert sich um die Social-Media-Kanäle. René Rettig verantwortet weiterhin Marketing, Vertrieb und strategische Entwicklung. „Dafür habe ich nicht mehr so viel Zeit wie früher, und wenn wir vielleicht etwas langsamer wachsen als wir es könnten, bedeutet dies keinen Stillstand“, erklärt er. „Aktuell planen wir neue Kursinhalte, um künftig zum Beispiel auch auf die Meisterprüfung und die Ausbildereignungsprüfung vorbereiten zu können.“

Foto: Elephant & Butterfly

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Sabrina Becker