Gründungsstory: „Jede Lebenssituation ist anders“
Verena Lödding unterstützt Unternehmen dabei, eine zukunftsfähige Arbeitskultur zu gestalten
SENDEN. Mehr Veränderung erreichen: Das ist der Weg von Verena Lödding in die Selbstständigkeit. Das Thema, das ihr dabei am Herzen liegt, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
„Ich habe als Personalerin in mehreren großen Unternehmen vom Norden bis zum Süden Deutschlands erlebt, wie unterschiedlich mit dem Thema umgegangen wird“, sagt Lödding. „Wie Vereinbarkeit umgesetzt wird, ist ein zentraler Teil der Unternehmenskultur. Mir wurde schnell klar: Vereinbarkeit ist kein Randthema für Eltern, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor moderner Personalarbeit.“
Vereinbarkeits-Thema wird in der Corona-Pandemie zum Trend-Thema
Als Verena Lödding zum zweiten Mal Mutter wird, absolviert sie während der Elternzeit eine Ausbildung zur systemischen Coachin und macht sich 2020 nebenberuflich selbstständig. Zunächst begleitet sie Eltern beim Wiedereinstieg in den Beruf. Der Zeitpunkt hätte kaum passender sein. Die Corona-Pandemie beginnt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird zu einem der wichtigsten Themen. Verena Lödding geht mit ihren Ideen dazu auf Radio Kiepenkerl zu. Aus dem Testlauf wird eine Serie, die sie während des Mittagsschlafs ihrer Kinder macht. „Das war absolut ideal“, sagt sie. Auch der WDR wird auf sie aufmerksam und berichtet.
An Kunden fehlt es danach nicht. „Dennoch habe ich gemerkt, dass nachhaltige Veränderungen nicht allein bei den Beschäftigten entstehen. Die Menschen gingen motiviert aus meinen Coachings. Gescheitert ist es häufig an den bestehenden Strukturen in den Unternehmen. Da wurde mir klar: Wenn ich wirklich etwas verändern möchte, muss ich dort ansetzen, wo die Rahmenbedingungen geschaffen werden.“
Veränderung lässt sich besser aus dem Inneren der Organisationen erreichen
Verena Lödding überlegt, den Fokus ihrer Selbstständigkeit noch einmal zu ändern. „Die Entscheidung war schwer, denn ich hatte ja genug Kunden. Sollte ich das riskieren? Unter anderem durch die Gründungsberatung der wfc habe ich aber für mich die Klarheit bekommen: Ich kann viel, viel mehr Menschen erreichen, wenn ich direkt in der Organisation bin und an den Hebeln mitarbeite. Wer Vereinbarkeit wirklich verankern will, braucht das Commitment der Führungsebene und motivierte Einzelpersonen, die Veränderungen gemeinsam gestalten.“
Also fängt Verena Lödding 2023 noch einmal neu an und verlagert ihren Schwerpunkt konsequent auf die Organisationsentwicklung, wird Auditorin für das Unternehmenszertifikat „audit berufundfamilie“ und arbeitet – weiterhin nebenberuflich – als selbstständige Unternehmensberaterin direkt mit Geschäftsführungen und Personalabteilungen. Daneben moderiert sie Netzwerkveranstaltungen zum Thema, hält Vorträge, leitet Workshops. Ihr erster Kunde ist die Sparkasse Westmünsterland. „Dort habe ich einfach mein Angebot vorgestellt und angefangen.“ Dass der Start direkt vor der Haustür liegt, war Zufall. „Ich habe nie lokal gedacht, immer bundesweit – so wie ich es aus meinem bisherigen Berufsleben gewohnt war“, sagt Lödding.
Schritt vom Nebenerwerb in den Vollerwerb
Mit zwei kleinen Kindern, Hauptjob und nebenberuflicher Selbstständigkeit muss die Ottmarsbocholterin die eigene Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit ihrem Mann gut organisieren. „Der Punkt, an dem die zeitlichen Kapazitäten schwierig wurden, kam relativ schnell und mir war klar: Ich möchte mich ganz auf meine Selbstständigkeit fokussieren.“ Sie beantragt einen Gründungszuschuss und geht im Juni 2024 den Schritt in die Vollselbstständigkeit. Dass sie neben ihrer fachlichen Arbeit heute auch Vertrieb, Marketing und Unternehmensentwicklung verantwortet, empfindet sie als Bereicherung. „Mir macht alles davon Spaß. In der Konzernwelt war ich ‚nur‘ im Personalbereich. Jetzt kann ich mich um alle Themen kümmern“, erklärt Lödding.
Die Vielfalt der Aufgaben und sich in immer andere Unternehmen reinzudenken, sind auch die Dinge, die sie als Beraterin am meisten reizen. „Jedes Unternehmen funktioniert anders. Und in jedem Unternehmen arbeiten Menschen, die sich in unterschiedlichen Lebensphasen befinden. Hier geht es um Elternschaft genauso wie um Pflegeverantwortung, Gesundheit, persönliche Entwicklung oder unterschiedliche Lebensentwürfe. Genau deshalb braucht es Arbeitskulturen, die Vereinbarkeit und Vielfalt ermöglichen. Zukunftsfähige Unternehmen entstehen dort, wo wirtschaftliche Ziele und die Bedürfnisse der Menschen zusammengedacht werden. Genau dabei unterstütze ich Unternehmen.“
Foto: Azad Fares/ Fraunhofer IEM