Qualifizierung als Chance gegen den Fachkräftemangel

DIALOG Fachkräfte informiert über Möglichkeiten und systematische Bedarfsanalysen für die Weiterbildung

KREIS COESFELD. Knapp 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland rechnen damit, dass ihre Beschäftigten in den nächsten fünf Jahren neue Kompetenzen erlernen müssen. Doch nur knapp 40 Prozent ermitteln die Kompetenzbedarfe systematisch. Die Zahlen aus dem Personalpanel 2020 des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) zeigen: Der Bedarf an Qualifizierung und Weiterbildung ist groß. Und er wird noch größer, wenn man die Weiterbildung von gering qualifizierten Beschäftigten als Chance sieht, den Fachkräftemangel zu verringern.

„Zukunftsfaktor Qualifizierung“ lautete entsprechend der Titel des Dialogs Fachkräfte, zu dem die wfc Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Coesfeld und der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Borken bei Parador in Coesfeld eingeladen hatte. Der Ort war nicht zufällig gewählt: Parador geht das Thema Qualifizierung nicht nur systematisch an, sondern nutzt seit einigen Jahren zusätzlich das Instrument der Betrieblichen Einzelumschulung, um Fachkräfte aus dem Pool der saisonal beschäftigten Leiharbeiter zu qualifizieren.

Betriebliche Einzelumschulung für Leiharbeiter

„Wir haben viele Leiharbeiter, die einen guten Job machen. Ihnen geben wir mit dem Angebot der Betrieblichen Einzelumschulung die Möglichkeit, als festangestellte Fachkräfte bei uns zu arbeiten und aus dem Niedriglohniveau herauszukommen“, erklärt Marko Bricke, Leiter Operative Logistik bei Parador. Bei der Betrieblichen Einzelumschulung machen die ehemaligen Leiharbeiter eine reguläre Ausbildung, starten allerdings direkt im zweiten Lehrjahr. Durch die Unterstützung der Agentur für Arbeit erhalten sie während dieser Zeit zudem ihr bisheriges Gehalt weiter. „Häufig haben Leiharbeiter eine vorherige Ausbildung abgebrochen oder schlechte Erfahrungen mit Schule gemacht. Die verkürzte Ausbildungszeit und das höhere Gehalt sind eine Motivation, eine Ausbildung aufzunehmen und nicht weiter als Leiharbeiter zu arbeiten. Wenn nötig, erhalten sie sowohl im Betrieb als auch in der Schule Unterstützung von uns“, so Bricke.

Für gering Qualifizierte, die schon länger im Betrieb arbeiten, gibt es die Möglichkeit mit der Externenprüfung einen Ausbildungsabschluss zu erwerben. Durch das Qualifizierungschancengesetz (QCG) erhalten Unternehmen außerdem finanzielle Unterstützung für so genannte Anpassungsqualifizierungen, um die Kenntnisse der Beschäftigten aktuell zu halten oder zu erweitern. Die Agentur für Arbeit berät zu diesen Weiterbildungsmöglichkeiten, übernimmt abhängig vom Alter der Beschäftigten und der Betriebsgröße bis zu 100 Prozent der Kosten und kann zusätzlich Zuschüsse zum Arbeitsentgelt für Arbeitsausfall aufgrund der Weiterbildung zahlen.

Weiterbildungsbedarfe systematisch erfassen

Welche Wege der Qualifizierung es darüber hinaus gibt, welche Kompetenzen in Zukunft gebraucht werden, wie die Lernkultur im Unternehmen gefördert und die richtigen Weiterbildungsanbieter gefunden werden können, erklärte Miriam Schöpp, Referentin für Berufliche Bildung im Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), in ihrer Keynote. Ihr Tipp: Zuerst Jobfamilien bilden, dann schauen, welche Kompetenzen vorhanden sind und welche fehlen und schließlich den Weiterbildungsbedarf anhand der aktuellen und zukünftigen Aufgaben ermitteln. „Das Wichtigste bleibt natürlich, das Gelernte auch in die Praxis zu übertragen“, sagt Schöpp. „Um die Weiterbildungskultur zu fördern, hilft es häufig, Vorreiter zu identifizieren und zu motivieren, individuelle Weiterbildungsziele zu vereinbaren und Lernzeiten zu geben.“

Spezielle Angebote für gering Qualifizierte

Mit Blick auf die gering Qualifizierten gibt es neben der Qualifizierungsberatung der Agentur für Arbeit jetzt neu die Berufsberatung im Erwerbsleben. „Darüber hinaus ist oft das Angebot von aufgabenspezifischen Schulungen oder Teilqualifizierungen, um Teile einer Berufsausbildung nachzuholen, hilfreich. Hier sind die Päckchen kleiner und leichter zu erreichen als bei einer kompletten Ausbildung oder Umschulung“, erklärt Schöpp.

Einen Überblick über die Weiterbildungsmöglichkeiten sowie hilfreiche Tipps gibt es unter https://www.personalarbeit-einfachmachen.de/fördermöglichkeiten/aus-und-weiterbildung/ sowie in der Präsentation „Weiter mit Bildung?!“ von Miriam Schöpp.

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